Eine Katze kann mit ihrem Körper warnen, bevor sie kratzt: Beobachtet gemeinsam Schwanz, Ohren, Körper und Haut, nicht nur ein einzelnes Signal. Für Kinder eignet sich eine Ampel: Bei Gelb Hände runter und einen Schritt zurück; bei Rot Abstand nehmen und einen Erwachsenen rufen. Es geht nicht darum, dass die Katze „böse“ ist: Sie braucht Raum. Sie muss immer selbst entscheiden können, ob sie näher kommt oder weggeht; bei kleineren Kindern bleibt ein Erwachsener dabei.
Die Katzenampel in drei Farben
Die Ampel hilft bei der Entscheidung, was zu tun ist, nicht dabei, die Gedanken der Katze zu lesen: Beim ersten Gelb wird der Kontakt unterbrochen.
| Farbe | Was du bemerken kannst | Was das Kind tut |
|---|---|---|
| Grün | Die Katze kommt von selbst näher und reibt Kopf oder Wangen an dir; der Schwanz ist hoch und entspannt, der Körper locker. | Kurz streicheln, dann eine Pause machen. |
| Gelb | Der Schwanz zuckt oder schlägt, die Ohren drehen sich zur Seite oder legen sich an, die Haut am Rücken zuckt, der Körper wird steif, der Kopf dreht sich zur Hand oder die Katze versucht wegzugehen. | Hände runter, einen Schritt zurücktreten und abwarten. |
| Rot | Die Ohren sind nach hinten angelegt, die Katze faucht oder knurrt, kauert sich zusammen oder macht mit aufgeplustertem Fell einen Katzenbuckel, eine Pfote ist angehoben. | Ruhig weggehen und einen Erwachsenen rufen. |
Jede Katze ist anders: Entscheidend ist die Kombination der Signale, nicht eine einzelne Körperhaltung. Erweiterte Pupillen können zum Beispiel auch an wenig Licht oder am Spielen liegen; im Zweifel gilt Gelb.
So erklärst du es je nach Alter
Die Altersangaben sind praktische Orientierungshilfen, keine Entwicklungsschritte: Passe die Vorschläge an das Kind an.
Zwischen 4 und 6 Jahren
Wiederholt immer dieselben Sätze: „Wenn der Schwanz schlägt, Hände runter“ und „Geht die Katze weg? Dann lassen wir sie gehen.“
Spielt das Statuenspiel mit Abstand zur Katze: Beim Signal des Erwachsenen bleiben alle regungslos, bis die Katze entscheidet, was sie tun möchte. Der Erwachsene gibt das Signal: Das Kind muss nicht alles allein deuten.
Malt gemeinsam drei Katzengesichter, eines für jede Farbe, und hängt sie in der Nähe der Lieblingsplätze der Katze auf.
Zwischen 7 und 10 Jahren
Beobachtet die Katze ein paar Minuten lang aus der Entfernung und versucht, „die Farbe zu erraten“. Führt ein kleines Tagebuch darüber, was die Katze tut, bevor sie weggeht: Ein paar Wörter reichen, zum Beispiel „Schwanz zuckt, dann geht sie weg“.
Die Aufgabe des Kindes ist es, einen Erwachsenen zu informieren, nicht allein einzugreifen.
Katzensignale, die Kinder oft missverstehen
- Auf dem Rücken liegend: Das ist keine Aufforderung, den Bauch zu streicheln.
- Schnurren: Es bedeutet nicht immer „Mach weiter“. Achtet auch auf Schwanz, Ohren und Haltung.
- Unterbrechtes Schmusen: Wenn die Katze erst Kontakt sucht und sich dann wegdreht oder sanft beißt, waren die Streicheleinheiten vielleicht zu viel. Besser sind kurze Kontakte mit Pausen, ohne auf den Biss zu warten.
- Schlafen, Fressen und Katzenklo: Eine Katze, die schläft, frisst oder das Katzenklo benutzt, wird nicht gestört.
- Regungslos, mit starrem Blick: Das bedeutet nicht unbedingt „Lass uns spielen“. Im Zweifel gilt Gelb.
Hausregeln, durch die Katzensignale helfen
Gelb zu erkennen hilft nur, wenn die Katze die Möglichkeit hat, wegzugehen.
- Lasst immer einen Fluchtweg frei.
- Sperrt die Katze nicht mit den Kindern in einem Zimmer ein.
- Lauft ihr nicht hinterher, wenn sie weggeht.
- Holt sie nicht unter Betten oder aus Schränken hervor.
- Katzenbett, erhöhte Plätze, Näpfe und Katzenklo sind tabu.
- Lasst die Katze auf euch zukommen.
Auch beim Streicheln und bei ruhigen Spielen gelten eigene Regeln.
Wenn rote Signale häufig auftreten
Eine Katze, die bisher ruhig war, kann plötzlich reizbar werden, Berührungen an einer bestimmten Stelle ablehnen, sich viel öfter verstecken oder ihre Gewohnheiten ändern. In solchen Fällen ist der erste Schritt ein Besuch beim Tierarzt, um Schmerzen oder Unwohlsein auszuschließen.
Bereitet den Besuch vor, indem ihr notiert, wann es passiert, wer dabei ist und was vorher geschieht. Wenn bei der medizinischen Untersuchung keine Probleme festgestellt werden, die Vorfälle aber weitergehen, fragt den Tierarzt, wie ihr vorgehen sollt, oder wendet euch an eine Fachperson für Katzenverhalten.
Wenn ihr einen Tierarzt in der Nähe finden möchtet, könnt ihr ihn in der PawsPet-App für Tierhalter unter „Dienste“ suchen und als Dienstleistung „Tierarzt“ auswählen.
Eine Übung für heute Abend
- Setzt euch alle fünf Minuten lang mit Abstand zur Katze hin, ohne sie zu rufen oder anzufassen. Wenn sie weggeht, lasst sie gehen: Ihr müsst die Zeit nicht unbedingt abwarten.
- Nennt reihum die Farbe der Ampel und erklärt, an welchen Signalen ihr sie erkennt.
- Wählt gemeinsam die zwei wichtigsten Regeln für eure Familie aus und schreibt sie auf ein Blatt Papier.
Wiederholt die Beobachtung an den folgenden Tagen: Ziel ist es, zu lernen aufzuhören, nicht mehr Streicheleinheiten zu bekommen.



